Was, du bist Schauspieler?

Es kommt des Öfteren vor, egal wo man auch gerade ist, ob man allein oder mit Freunden und Familie zusammen etwas unternimmt, dass diese eine Frage zusammen mit den unmittelbar darauffolgenden, unterschiedlichsten Bitten, allen Schauspielern dieser Welt, also auch mir, entgegnet wird.

 

“Du bist echt Schauspieler? Wie ist das so? Kannst du auf Anhieb losweinen? Mit echten Tränen und so? –

Los, mach mal vor!“

 

Ich glaube jeder, der Schauspieler ist, kennt diese Situation und jeder wird unterschiedlich darauf reagieren. Aber im Kern fühlt ein jeder von uns, so denke ich, dasselbe, auch wenn dieses Gefühl nicht wirklich leicht zu beschreiben ist.

 

Ich versuche es trotzdem: Es ist nicht unbedingt immer das Gefühl der Abneigung oder Unsicherheit bezüglich dieser Fragen. Fragen die eventuell auch das Gefühl auslösen, jetzt etwas vor allen Anderen beweisen zu müssen.  Aber es ist eine tiefe Empfindung in uns die sich dagegen sträubt.

Gerade dann wenn man einmal nicht auf der Bühne, vor der Kamera oder vor zahlendem Publikum steht, plötzlich Tränen vergießen oder sich plötzlich unvorbereitet und kopfüber in ein tosendes Meer aus unterschiedlichen Emotionen stürzen soll.

 

Was ist also die beste Reaktion darauf? Bestimmt nicht die, welche das Interesse und die Neugier der Fragenden zufriedenstellen wird. Deshalb fühlen sich manche von uns in einer Art Zwickmühle mit sich selbst und einige sogar reißen sich tatsächlich aus ihrem eben noch persönlichen Empfinden mit Familien und Freunden heraus, indem Sie anhand von Schauspieltechniken oder ihrer sensorischen  Erinnerung beginnen, etwas darzustellen was man in Wahrheit nicht ist und für den Moment auch nicht empfindet oder fühlen möchte:

kurzum, eine Rolle mimt.

 

Natürlich können diejenigen Schauspieler unter uns, die perfekt ihr Handwerk verstehen und beherrschen, ohne große Schwierigkeiten den Aufforderungen der Neugierigen nachkommen. Aber auch diese machen dies in den seltensten Fällen wirklich zu Hundert Prozent aus freien Stücken heraus. Wieso?

 

Auch ein Schauspieler/in ist ein Mensch – klar das weiß jeder. Aber auch dieser benötigt genau den gleichen Freiraum, genau die gleichen Grenzen und Privatsphäre, wie jede andere Person auch.

Und besonders im Beruf des Schauspielers gehört es zur wirklichen Professionalität dazu, seine Rollen und schlummernden Emotionen und Gefühle in einem für ihn passenden und geschützten Moment  einzusetzen.

Und dieser Moment ist auf den Brettern oder Flachbildschirmen dieser Welt zu betrachten.

Denn nur dort hat eine gespielte Rolle, ein gemimter Charakter, der dem Eigenen zu- oder widerspricht, seinen wahren Platz.

 

Meine Reaktion auf derartige Fragen ist darum seit jeher folgende:

“Ja ich kann. Aber nicht hier und nicht jetzt!“

 

Denn genau das ist die gesunde und auch wichtige Grenze zwischen allen Berufen dieser Welt und unserem Privaten Umfeld wie auch persönlichen Lebensweise. Ein Versicherungsvertreter beispielsweise, würde doch auch nicht während seiner Freizeit mit Freunden und Bekannten beginnen, sein Köfferchen zu öffnen und versuchen einen Vertag mit ihnen abzuschließen. Nun ja, er könnte schon, aber er tut damit weder sich, seinem Empfinden noch seinem persönlichen Umfeld einen großen Gefallen damit.

 

Und genau das ist es, was man vielen Leuten, die selbstverständlich neugierig sind und gerne mehr erfahren wollen, erklären muss. Denn glauben Sie mir, nichts ist schlimmer als Vierundzwanzigstunden lang ein Versicherungsvertreter oder eben ein Schauspieler zu sein, der die Momente des privaten Beisammenseins und Glücks nicht mehr genießt oder im schlimmsten Fall sogar verpasst.  


Ich freue mich auf Eure Kommentare!

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Kommentare: 2
  • #1

    Miau (Samstag, 12 März 2016 01:32)

    Wirklich gut geschrieben und ich stelle mir das nicht einfach vor, immer auf so etwas reagieren zu können. Aber andererseits ist es einfach so, dass Menschen einfach davon fasziniert sind und ihre Neugierde stillen wollen, weil sie dich einfach auch beneiden ^^

  • #2

    Funke, Thomas (Montag, 06 Juni 2016 09:45)

    Schau Dir mal eine alte Pressekonferenz der Beatles vor ihrer ersten Amerika-Tournee an:
    Die anwesenden Journalisten wollten, das die Beatles etwas vorsingen sollten.
    John Lennon schlägt diese Bitte kurz und knapp aus mit: "Erst brauchen Wir Geld" !
    :-D
    Viele Grüße von uns verbliebenen Roländern.